Ressentiments und Blütenträume regressiver Kapitalismuskritik – zu einigen Defiziten der Debatte über die gegenwärtige Finanzkrise
konkret 12/2008
von Lothar Galow-Bergemann
Zweitens: So man nur will, kann man die Krise durch “Zivilisierung des Kapitalismus” in den Griff bekommen. Die “Zeit” mobilisiert eine weitere Mumie, um uns diese Botschaft nahe zu bringen – Marion Gräfin Dönhoff mahnt aus dem Grabe: “Was den Kapitalismus und die Marktwirtschaft angeht, so muss man sie unter allen Umständen erhalten und sie nicht abschaffen wollen – sie müssen nur sozusagen zivilisiert werden. Grenzen müssen gesetzt werden…” Pikanterweise schreibt das gleiche Blatt eine Woche später über den Zusammenbruch der größten Bankhäuser der ehemals führenden Finanzmetropole Florenz in den Jahren 1343 bis 1346: “Der Frühkapitalismus des 14. Jahrhunderts war ein ebenso entfesselter wie der Kapitalismus heutiger Tage… mächtige Monopole und Oligopole, Spekulationsblasen, …. spektakuläre Konkurse.” Was sagt uns das? In fast 700 Jahren ist es nicht gelungen, den Laden zu zivilisieren, aber natürlich krempeln wir jetzt die Ärmel hoch und biegen das mal kurz gerade.
Nicht die Gier einzelner Menschen ist die Ursache kapitalistischen Gewinnstrebens, sondern das systemimmanente und -notwendige kapitalistische Gewinnstreben fördert Gier und bestraft Solidarität.
http://www.streifzuege.org/2008/das-gute-und-die-gier